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6. Der Tiergartentunnel
Der Tunnel, als wesentliches Bauteil dieser Wasserleitung, ist an den obertägig sichtbar gebliebenen Eingriffen in das Erdreich zu erkennen: Zulaufgraben, Bauschächte und Einsturzstrecken ließen schon vor der archäologischen Untersuchung vor den Augen eines fachkundigen Beobachters das Bild eines aufwendigen technischen Bauwerks entstehen.
Die im Jahre
1998 an zwei Stellen durchgeführten archäologischen Sondagen brachten
Einzelheiten über den Ausbau der Bauschächte des Tunnels zutage. Sie klärten
auch den Aufbau des auf den Tunnel zuführenden Grabens, der zur Verlegung der
Rohrleitung gebaut worden war. Im Rahmen der Aufmauerung von Bauschacht V
wurde ein Zugang zum Tunnel geschaffen. Auf diese Weise konnte erstmals wieder
eine Befahrung des Bauwerks unternommen werden, die Einzelheiten über das
Tunnelinnere zutage brachte. Gleichzeitig erfolgte eine gründliche Begehung
und Vermessung des Geländes, was für eine Beschreibung der Topographie unerläßlich
war. Der Tunnel ist
rund 150 m lang. Da eine unterirdisch verlegte Wasserleitung nicht übergangslos
in einen Tunnel geleitet werden kann, mußte vor und hinter dem Tunnel ein
offener Graben angelegt werden. Auf diese Weise wurde der Streckenabschnitt bis
zum Erreichen des tragenden Deckgebirges überwunden. Im Falle des
Tiergartentunnels ist dieser Zulaufgraben rund 80 m lang. Er erreichte kurz vor
dem (heute verschütteten) nördlichen Mundloch eine Breite von 11 m und eine
Tiefe von 8 m. Durch den steinernen Ausbau der Grabens, vor allem aber durch die
Verschüttung mit Hausmüll, liegt er heute nur noch auf eine Tiefe von 4 m
offen. Die
Tunnelstrecke ist nicht im sog. Gegenort, also von zwei Seiten aus aufgefahren
worden, sondern man hat die Trasse in sechs Abschnitte aufgeteilt, um beim
unterirdischen Vortrieb kürzere Strecken auffahren zu können. Auf diese
Weise waren die Auswirkungen der unvermeidbaren Richtungsfehler zu minimieren.
Dieses Bauverfahren wird nach Vorbildern im alten Iran 'Qanat-Verfahren'
genannt, es hat also eine rund 3000jährige Tradition. Der Tunnelbau am Tiergarten wurde von zwei Mundlöchern und fünf Bauschächten aus in Angriff genommen. Die Zählung der Bauschächte wurde von uns in Fließrichtung des Wassers festgelegt. Vermutlich waren sowohl die Mundlöcher als auch die Bauschächte in Stein ausgebaut. Bei der Prospektion waren diese Ausbauten aber durch Versturz nicht mehr in allen Fällen erkennbar; lediglich Schacht IV ließ Mauerwerk schon an der Oberfläche erkennen, im Schacht V wurde es bei der Restaurierung freigelegt. Durch den Versturz der Bauschächte sind heute an der Erdoberfläche nur noch mehr oder weniger große Trichter sichtbar. Von Bombentrichtern sind sie sehr gut zu unterscheiden, da die Vertiefungen von den Ablagerungen des Aushubmaterials aus der Bauzeit in Form ringförmiger Wälle umgürtet werden. Hinzu kommt in manchen Fällen ein Baumbestand im Trichter, der auf ein über die beiden Weltkriege hinaus weit zurückreichendes Alter erkennen läßt. Die Schächte IV und V - mit Teufen von 15 m und 7 m - sind heute wieder aufgemauert worden. Die Lage des nördlichen Mundloches läßt sich wegen Schuttablagerungen und sonstiger Verschüttungen im Zulaufgraben nicht exakt bestimmen. Auch daß südliche Mundloch war durch Tunneleinsturz zerstört, so daß der heutige Zustand ohne historisches Vorbild rekonstruiert werden musste. Die Wasserleitung war auf der Sohle des Tunnels als Holzrohrleitung verlegt. (K.G.) Um den genauen Verlauf der unterirdisch verlegten Leitung festzustellen, wurde auf einer Weide im ansteigenden Teil der Trasse eine Kartierung des magnetischen Feldes vorgenommen. Das Ergebnis der durchgeführten Magnetometermessungen ist für die archäologische Untersuchung der Wasserversorgung der Burg Blankenheim ein außerordentlicher Glücksfall, obwohl im Meßbild von den Holzrohren nichts nachzuweisen war. Statt dessen zeigten sich aber die magnetischen Auswirkungen der Holzverbindungen, da sich die aus Eisen hergestellten Manschetten - die sog. Deichelringe - erhalten hatten. Im ansteigenden Teil der Druckleitungsstrecke konnten auf diese Weise rund 70 Deichelringe nachgewiesen werden, wodurch der Trassenverlauf in diesem Abschnitt auf rund 150 m Länge festgestellt war. Die Längen der einzelnen Holzrohre sind unterschiedlich bei einer mittleren Länge von rund 2 m. (K.G.) |