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Presseberichte
Tiergarten-Tunnel
Ein bedeutendes Zeugnis der Technikgeschichte
Teile der mittelalterlichen Wasserleitung werden freigelegt
Blankenheim - Im herbstgefärbten Laubwald
zwischen der Blankenheimer Burg und dem ehemaligen Bahnhof ist zur Zeit von der
sprichwörtlichen "Ruhe im Wald" nicht viel zu spüren. Denn dort wird fleißig
an der Freilegung von einzelnen Abschnitten des "Tiergarten-Tunnels" gearbeitet.
Dieses im Jahr 1468 erbaute Wasserversorgungssystem für die Bewohner der Burg zählt
nicht nur zu den ältesten Tunnelbauten in Nordrhein-Westfalen, sondern gehört bundesweit
zu den am besten erhaltenen Anlagen seine
Art. Bis zum Spätsommer nächsten Jahres will der Förderverein der Burg das Tunnelsystem
soweit hergerichtet haben, dass Touristen es besichtigen können.
"Den ersten Schacht haben wir bald freigelegt", berichtet Harry Bons. Der
63-jährige Rentner, der früher als Bau-Ingenieur seine Brötchen verdiente, hat sein
Wissen noch einmal reaktiviert und wacht nun im Auftrag des Fördervereins als Bauleiter
über die Arbeiten an dem historischen Bauwerk. Als stellvertretender Projektleiter ist
Friedhelm Elsen eingespannt, Vereinsvorsitzender Andreas Lange übernahm die Verhandlungen
mit den Grundstückseignern.
222 Meter lang
Mit einem Bagger, an dessen Arm keine Schaufel, sondern ein gewaltiger Bohrer befestigt
ist, stößt der Bautrupp zur Zeit in den tiefsten Schacht vor, der zu der gesamten Anlage
gehört. Insgesamt ist der Tiergarten-Tunnel 222 Meter lang, fünf Schächte führen
senkrecht zu der durch den Berg verlaufenden Wasserröhre hinunter.
"Die Schächte erfüllten zwei verschiedene Funktionen", erläutert Harry Bons.
Zum Einen dienten sie als Luftzufuhr für die Bergmänner des Mittelalters, die den Berg
durchwühlten. Außerdem wurde durch die Schächte das Material an die Erdoberfläche
befördert, das im Berg auf Seite geräumt wurde. Insgesamt sollen drei der fünf
Schächte freigelegt und später einmal beleuchtet werden. Zur Zeit wird der tiefste der
Schächte freigelegt, er führt etwa elf Meter in den Berg hinunter. Im Laufe der
Jahrhunderte waren die Schächte und der Tunnel mit Schutt und Geröll zugekippt worden.
"Zuerst haben wir eine Vorbohrung mit 60 Millimeter Durchmesser gemacht, dann
versuchten wir mit einem 600-Millimeter-Spiralbohrer den Schacht zu räumen",
erklärt der Bauleiter die Arbeiten. Doch der Versuch mit dem mächtigen Spiralbohrer
klappte nicht wunschgemäß, denn das Füllmaterial blieb nicht in den Steigungen des
Bohrergewindes hängen. Mit einem Bohr-Hohlkopf musste dann die Erde portionsweise aus dem
Schacht herausgeholt werden.
Sauber ausgemauert
Bauingenieur Bons ist tief beeindruckt von den Leistungen, die die Bauarbeiter des
Mittelalters vollbrachten. "Der Schacht geht durch massiven Fels. Da es im
Mittelalter noch keinen Sprengstoff gab, musste der Fels in mühsamer Arbeit von Ader zu
Ader weggebrochen werden", gibt er seine Erkenntnisse wieder. Auch die Maurer des
Mittelalters haben es ihm angetan. Denn die Innenwände des Schachts sind sauber
ausgemauert. "Da die Bauarbeiter von oben nach unten mauern mussten, haben sie
zunächst Kränze in den Schacht eingebaut, auf denen sie das Mauerwerk errichten
konnten." Um die Leistung der Arbeiter des Mittelalters zu verdeutlichen, hat Harry
Bons einen einleuchtenden Vergleich parat: "Stellen sie sich vor, sie müssten ein
vierstöckiges Haus von oben nach unten mauern."
Das Geheimnis, wie der eigentliche Wassertunnel vor über 500 Jahren errichtet wurde, ist
noch tief in der Erde verborgen. Erst in einem späteren Stadium der Freilegungsarbeiten
wird man diese Details klären können. Insgesamt wird für die jetzigen Arbeiten, die in
zwei Bauabschnitte unterteilt wurden, mit einer Summe von rund 180 000 Mark gerechnet. Der
erste Bauabschnitt ist bereits finanziert. So gaben einige Blankenheimer Vereine
beträchtliche Zuschüsse. Aber auch das Amt für Denkmalschutz gab einen ordentlichen
Betrag, denn im Jahr 2000 wird das "Jahr der Industriekultur" gefeiert. Und der
Blankenheimer "Tiergarten-Tunnel" gilt unter Fachleuten als bedeutendes Zeugnis
der Technikgeschichte.
Wenn auch die Finanzierung des zweiten Bauabschnittes gesichert ist, an der sich auch die
Gemeinde beteiligt, sollen noch weitere Arbeiten angegangen werden. So soll das ganze
System aus Tunnel, Schächten und Wasserreservoir durch Wanderwege erschlossen werden.
Über dem Eingang der Schächte sollen außerdem Schutzhütten errichtet werden. Und nicht
zuletzt sollen Schautafeln das ganze Bauwerk erläutern.
Kölner Stadtanzeiger vom 10.11.1999
Der mittelalterliche Tiergartentunnel wird am
10. September der Öffentlichkeit vorgestellt
Seltenes Exemplar der Technikdenkmäler
atz Blankenheim. Der
mittelalterliche "Tiergartentunnel" in Blankenheim hat durch
Ausgrabungen, Aufarbeitungen und touristische Gestaltung einen entscheidenden
Fortschritt gemacht und wird im Rahmen eines Festes am Sonntag 10. September,
der Öffentlichkeit vorgestellt.
Der
Ausgrabungsmannschaft ist es gelungen, das Gelände dort aufzuschneiden, wo der
mittelalterliche Wassertunnel an die Erdoberflache stößt, wodurch ermöglicht
wird, den ursprünglichen Eingang des Tunnels zu sehen, der darüber hinaus auf
einer Länge von 50 Metern begehbar ist. Nach wissenschaftlicher Ansicht handelt
es sich bei dem Tunnel um eine einmalige Wasserzuführungsanlage zur Burg
Blankenheim. Da Tunnelbauten unter Bodendenkmälern allein von der geringen
Anzahl her eine herausragende Bedeutung einnehmen, gehört der
"Blankenheimer Tiergartentunnel" zu einer äußerst seltenen Gattung
unter den Technikdenkmälern des Rheinlandes.
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Auf einer
Strecke von 50 Metern ist der Tunnel, der
im Mittelalter
die Burg mit Wasser versorgte, begehbar. |
Der
Verein zur Förderung der Burg Blankenheim lädt mit Unterstützung der Gemeinde
zur Eröffnung des Tiergartentunnels am 10. September ab 11 Uhr in die
Tiergartentunnel und Burganlagen herzlich ein. Ein umfangreiches
Rahmenprogramm soll für die Unterhaltung der Besucher sorgen. Während des
gesamten Tages werden Führungen unter fachkundiger Leitung durchgeführt.
Besucher haben im Rahmen vom "Tag des offenen Denkmals" ebenso die Möglichkeit,
bei Führungen die Burg Blankenheim zu erkunden.
Lanzenstechen
und Armbrustschießen
Für
Kinder wird ein spannendes Unterhaltungsprogramm angeboten. Der Jugendverband
bietet ein Ritterturnier an, bei dem Armbrustschießen, Lanzenstechen,
Hufeisenwerfen und Geschicklichkeitsübungen mit dem Schwert absolviert werden müssen.
Das Kreismuseum Blankenheim veranstaltet "Spiele rund ums Wasser"
unter dem Thema "Wie arbeiteten früher Wasserträger und
Waschfrauen?" Unter anderem werden dabei Wasserrohre selbst gebaut.
Zur Eröffnung
des Tiergartentunnels wird eine Broschüre des Rheinischen Amtes für
Bodendenkmalpflege erscheinen. Ebenso wird die Burgschrift mit einer
Kurzdarstellung des Tunnels neu aufgelegt.
Rundschau vom
29.August 2000

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