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Der Tiergartentunnel von Blankenheim

Wasserleitung zur Burg

Nachdem in den Jahren 1468/1469 die Blankenheimer Herrschaft durch Erbschaft an Graf Dietrich III. von Manderscheid-Blankenheim gegangen war, baute dieser eine Fernwasserversorgung zur Burg, um die bestehende Versorgung aus einer Zisterne zu steigern. Er ließ eine rund einen Kilometer entfernt liegende Quelle im Tal "In der Rhenn" fassen und deren Wasser in einer Holzrohrleitung zu einem neuen Wasserbehälter im Burghof leiten. Die Leitung hatte in ihrem Verlauf ein 12 m tiefes Tal und daran anschließend einen 15 m hohen Bergsporn- den Tiergarten- zu durchqueren. Die Leitungstrasse war also in unterschiedlichen Techniken abschnittsweise als Gefälleleitung, als Druckrohrleitung und als Aquadukttunnel ausgebaut worden. Da Druckrohrleitungen z.B. in den Klöstern mit ihren Fließbrunnen- ein gängiges technisches Element des Wasserleitungsbaus im Mittelalter waren, gab es vielerorts Vorbilder, nach denen auch in Blankenheim zu bauen war. (Eine von diesem Standort über das ehemalige Bahnhofsgebäude hinaus verlängerte Linie folgt in etwa dem Trassenverlauf dieser Druckrohrleitung in Richtung Quellfassung.)


Tunnelbau in der Geschichte

Die Technik des Tunnelbaus hingegen war in Mitteleuropa kaum verbreitet, da sie zu allen Zeiten den schwierigen Ingenieurdisziplinen zuzurechnen war. Wir kennen zwar aus römischer Zeit auch im Rheinland zahlreiche Aquadukttunnel, das Mittelalter tritt mit dieser Bautechnik hingegen kaum in Erscheinung: In der Zeit vom 5. bis 15. Jahrhundert n. Chr. sind nördlich der Alpen kaum mehr Tunnel gebaut worden. Mit diesem technischen Aufwand nimmt die Wasserversorgung der Blankenheimer Burg im ausgehenden Mittelalter eine herausragende Stellung ein. Der rund 150 m lange Tiergarten-Tunnel wurde nicht im sogenannten Gegenortverfahren; also von zwei Seiten aus - in Angriff genommen, sondern es kam eine Bautechnik zur Anwendung, die ihre Wurzeln ebenfalls in der Frühzeit der 3000jährigen Geschichte des Tunnelbaus hat: das Qanat-Verfahren. Hiernach baute man schon im alten Persien kilometerlange Tunnel zur Wasserversorgung der Oasen, und auch die Römer haben diese Technik gerne angewandt, weil durch die Aufteilung der Tunneltrasse in mehrere kurze Baulose die Richtungsfehler beim Vortrieb unter Tage zu minimieren waren.


Der Tiergarten-Tunnel

Der Tiergartentunnel von Blankenheim - Profil -

In Blankenheim wurde die Tunneltrasse in sechs Abschnitte unterteilt, so daß man den Tunnel nicht nur von den beiden Mundlöchern aus, sondern von fünf Bauschächten aus auffahren konnte. Dazu waren zwar Bauschächte bis zu 15 m Tiefe anzulegen, andererseits verkürzte man auf diese Weise die unterirdischen Vortriebsstrecken auf maximal 30 m. Dort, wo die Tragfähigkeit des Gebirges es erforderte, baute man den Tunnel mit Bruchsteinmauern und -gewölbe aus. Die Wasserleitung aus Holzrohren wurde danach auf der Sohle des Tunnels verlegt, und da er mit einem begehbaren Querschnitt ausgestattet war, konnten sowohl der Zustand des Tunnels als auch die Rohrleitung jederzeit kontrolliert und in Ordnung gebracht werden. Die Mundlöcher und die Bauschächte dienten dann als Zugang.


Was sehen wir?

Das Bodendenkmal zeigt sämtliche Elemente der Wasserversorgung der spätmittelalterlichen Burg entweder ganz erhalten oder im Gelände erkennbar: Die Quellfassung "In der Rhenn", die Druckleitungsstrecke durch das Tal beim ehemaligen Bahnhof, den ausgebauten Zulaufgraben vor dem Tunnel, den Tiergarten-Tunnel selbst und das Wasserhäuschen auf der Südseite des Tiergartens. Im Eifelmuseum Blankenheim ist eines der Rohre der Wasserleitung zu sehen. Durch die Restaurierungsarbeiten der Jahre 1999-2000 ist in Blankenheim ein Ensemble der Technikgeschichte entstanden, das einen einzigartigen Einblick in die Infrastruktur einer spätmittelalterlichen Burg gibt.

Kalksinter

von Dr. Klaus Grewe


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